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AMMERSEErenade: Feier des Lebens
Erinnerungskonzert 1945 mit Anne-Sophie Mutter in St. Ottilien

Eresing/St. Ottilien – Mit Wolfgang Amadeus Mozart die Welt verändern. Diesen Weg beschritt Anne-Sophie Mutter am Sonntag beim Abschlusskonzert des Klassikfestivals AMMERSEErenade  in der mit 400 Plätzen restlos ausverkauften Klosterkirche St. Ottilien (Landkreis Landsberg a. Lech), begleitet vom Buchmann-Mehta School of Music Symphonie Orchester der Universität Tel Aviv. Nicht nur das. Die Weltgeigerin hatte in Vertretung des erkrankten Chefdirigenten der Israel Philharmonics, Maestro Zubin Mehta, auch das Dirigat der 35 jungen Musikerinnen und Musiker aus Israel übernommen, die sich drei Tage lang in der Erzabtei der Missionsbenediktiner auf dieses besondere Musikprojekt vorbereiten: Die Wiederholung des Befreiungskonzertes jüdischer Holocaust-Überlebender im katholischen Kloster vor 73 Jahren.

Es war ihr ein großes Herzensanliegen, mit ihren jungen jüdischen Kollegen gemeinsam musizieren zu können und damit die Aufmerksamkeit auf die kaum bekannte jüdische Geschichte der Benediktinerabtei in St. Ottilien von 1945 bis 1948 zu lenken. „Musik schlägt Brücken über alle Religionen und Nationalitäten hinweg, und ich bin zutiefst überzeugt davon, dass uns die Musik eine große Chance bietet, die Welt zum Besseren zu verändern. Denn niemals dürfen wir in unserem Land die Erinnerungskultur an den Holocaust vernachlässigen oder gar in Frage stellen“. Der starke Apell von Anne-Sophie Mutter kam ebenso in den Worten der Präsidentin der Israeltischen Gemeinde München und Oberbayern, Charlotte Knobloch als Schirmherrin des Konzertes, Abt Notker Wolf OSB sowie der Bayerischen Kultur- und Wissenschaftsministerin Prof. Dr. Marion Kiechle und Michelle Müntefering, der Staatsministerin für internationale Kultur- und Bildungspolitik im Auswärtigen Amt, zum Ausdruck. Sie alle waren sich einig, dass den aktuellen antidemokratischen, antisemitischen, ausländerfeindlichen Strömungen in der Gesellschaft mit aller Kraft getrotzt werden muss.

Zu Beginn aber begrüßt die Schola der Ottilianer Mönche die Besucher mit dem gregorianischen Gesang „Jubilate Deo omnis terra“. Danach spielt das Buchmann-Mehta Orchester unter der Leitung von Zeev Dorman jenes Programms, das die jüdischen Musiker am 27. Mai 1945 mit dem Triumphmarsch aus „Sigurd Josalfar“ und Solveigs Lied aus „PeerGynt“ von Edvard Grieg aufgeführt hatten. Hila Baggios glockenreiner Sopran trägt Solveigs melancholisches Lied, vor allem aber  die Komposition des israelischen Komponisten Aharon Harlap (*1941) „Pictures from the Private Collection of God“ mit Liedtexten des Holocaust-Überlebenden Yaakov Barzilai für Orchester und Solo-Oboe, gefolgt von Franz Schuberts 5. Symphonie in B-Dur.

Mutters mit feinstem Vibrato vorgetragenes Violinkonzert Nr. 5 A-Dur folgt einem filmischen Rückblick von Tilmann Kleinjung vom Bayerischen Rundfunk „Die Kinder der Stunde Null“, der die Geschichte der über 400 in St. Ottilien von 1945 bis 1948 geborenen jüdischen Kinder dokumentiert. Ihnen und ihren Familien, den Opfern des Holocaust, gedachte Anne-Sophie Mutter mit Ihrer Bach-Zugabe Air. Das Konzert endete mit dem von Hila Baggio und den München gemeinsam gesungenen jüdischen Versöhnungsgebet «Avinu Malkeinu» und einer stillen Auskehr der 400 Zuhörer unter Glockengeläut.

 Mehr als 70 Jahre ist es her, dass in der bayerischen Erzabtei der Missionsbenediktiner St. Ottilien jüdische Musikerinnen und Musiker aus den umliegenden Konzentrationslagern, sogenannte Displaced Persons, das „Befreiungskonzert“ als „Feier des Lebens“ gespielt haben. Die Missionsbenediktiner von St. Ottilien beherbergten in ihrem Kloster zwischen 1945 und 1948 Tausende Holocaust-Überlebende in einem dort eingerichteten Hospital. In der Zeit wurden 419 sogenannte Ottilien-Babys geboren. Jahrzehnte später kamen nun einige der mittlerweile Erwachsenen aus Israel und München zu dem Gedenkkonzert. Aus den USA waren zwei Enkelkinder des damaligen medizinischen Hospitalleiters Dr. Zalman Grinberg zum Konzert angereist.

 

Für Rückfragen: Doris M. Pospischil, info@ammerseerenade.de, Tel. 08192-998981

 

Pressemitteilung als PDF

 

v.l.n.r.:

Hans-Joachim Scholz (Initiator Klassikfestival AMMERSEErenade), Michelle Müntefering (Staatsministerin für internationale Kultur- und Bildungspolitik im Auswärtigen Amt), Prof. Dr. Marion Kiechle (Bayerische Staatsministerin für Wissenschaft und Kunst), Dr. h.c. Charlotte Knobloch (Präsidentin der Israelitischen Kultusgemeinde München und Oberbayern), Anne-Sophie Mutter, Abt Dr. Notker Wolf OSB (Erzabtei von St. Ottilien), Doris M. Pospischil (Initiatorin Klassikfestival AMMERSEErenade)

(c) Kultur am Ammersee e.V. Fotografin Frau Astrid Schmidhuber

 

(c) Kultur am Ammersee e.V. Fotografin Frau Astrid Schmidhuber

 

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